Förderverein Naturparkdorf Gerlfangen e.V.
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v.l. Mazlum, Gülbahar, Dogan und Abdul
                 Brief von Mazlum Çelik: Ich begrüße euch alle und hoffe, dass ihr wohlauf seid!Ich schreibe einen Bericht für Deutschland wegen der Gerechtigkeit für Kinder.Was man in Deutschland so oft gehört hat. Ich bin MAZLUM ÇELÝK, am 02.02.1992 in Coesfeld auf die Welt gekommen, das zweite Kind der Familie Çelik. Ich habe im Dorf Gerlfangen (PLZ: 66780) im Saarland gelebt, aber nur bis ich 10 Jahre alt war, dann wurde die Familie abgeschoben. Warum – weiß ich bis heute nicht. Was habe ich denn falsch gemacht? Ich hatte keine Schuld daran, dass wir in die Türkei abgeschoben wurden. Ich konnte kein Wort Türkisch, ich wusste nicht einmal, wo das Land liegt. Meine Eltern sprachen über das Thema Abschiebung in die Türkei, ich glaubte nicht, dass so etwas passiert. Ich ging noch in die Grundschule, war noch klein, hatte gute Freunde, vor allem einen guten Kumpel, den Philipp S. Wir spielten immer zusammen Fußball im Verein SV Gerlfangen- Fürweiler. Ich war der Kapitän der Mannschaft. Ich war donnerstagnachmittags bei Philipp, wir schrieben unsere Hausaufgaben für die Schule. Als wir mit den Hausaufgaben fertig waren, musste ich nach Hause. Ich bekam auf einmal Angst, dass wir heute abgeschoben werden könnten. Ich wollte Philipp fragen, ob ich bei ihm bleiben kann, weil ich nicht nach Hause gehen wollte. Aber ich habe ihn nicht gefragt. Ich ging nach Hause. Und ausgerechnet indieser Nacht wurden wir in die Türkei abgeschoben. Ich hatte meine Schule fertig machen wollen, in die Universität gehen und einen guten Beruf haben. Aber leider bin ich in der Türkei. Obwohl ich keine Schuld daran hatte, ich war klein, ich wusste nicht, was später passiert im Leben. Ich habe viele Freunde verloren: Meinen Schuldirektor, Herrn Müller, meinen Lehrer, die Familie Bies, die Familie Schellenbach. Ich meinte, dass alles nur eine Lüge ist, was mit mir passiert ist. Nach dem langen Flug in die Türkei holten uns ein paar Bekannte ab. Ich dachte, dass wir in Afrika sind. Wir hatten Angst, weil alles so fremd war. Mein Vater wollte uns in der Schule anmelden. Die Schulen wollten uns eigentlich nicht, weil wir kein türkisch konnten. Die Schüler schauten uns alle an. Ich musste mit der 4. Klasse anfangen mit keinem Wort Türkisch. Ich kannte keinen. Mein Vater kam ein paar Mal mit in die Schule, dann nicht mehr. Ich kannte den Weg zur Schule. Ich ging in die Schule mit meinen Geschwistern. Die Kinder von hier lachten uns aus. Schaut mal die Deutschen an, wie die aussehen“ sagten sie und lachten weiter. Die Lehrer fragten mich, wie ich heiße. Ich sagte: „Mazlum“ „Von wo kommst du?“ „Aus Deutschland.“ „Kannst du Türkisch?“ „Nein!“ Ich kannte nur die Wörter ja und nein, die habe ich von meinem Vater gelernt. Ich bekam Schläge, wenn ich auf eine Frage nicht geantwortet habe. Die Schüler lachten dann über mich. Ich wurde nervös, wusste nicht, was ich machen sollte und weinte jeden Tag. Ich sagte meinen Eltern, dass ich von den Lehrern in der Schule Ohrfeigen bekam, weil ich kein Türkisch konnte. Und die Schüler ließen mich nicht in Ruhe. Die Leute in der Türkei sagten zu uns: „Was habt ihr denn hier zu suchen? Geht in eure Heimat!“ Ich habe oft von Schülern Schläge bekommen. Ich habe drei, vier Narben von Messerstichen an meiner Hand, die genäht werden mussten. Das passierte immer nach der Schule. Einmal warfen sie Steine, auch in mein Gesicht. Ich habe davon Narben unter den Augen. Auch diese Wunden mussten genäht werden. Wir sind seit schon 10 Jahre in der Türkei. Ich habe einen Beruf erlernt, aber es gibt keine Arbeit hier. Ich habe es als Saisonhilfe in den Tourismusgebieten versucht, aber wer gibt hier einem kurdischen jungen Mann Arbeit. Einmal hatte ich da eine Anstellung, die deutschen Touristen zu führen. Die Deutschen kamen gerne zu mir, weil ich ihre Sprache konnte, das hat aber den anderen Kollegen nicht gefallen und mein Chef bat mich zu gehen, um Unstimmigkeiten aus dem Weg zu gehen, Ich bin schon 19 Jahre, muss noch Wehrdienst machen, aber ich habe Angst, dass es Krieg gibt. Außerdem kann ich nicht so gut Türkisch. Wie soll das gehen? Mein größter Wunsch ist, wieder zurück nach Deutschland zu kommen und einen guten Beruf zu lernen. Ich glaube, dass ich ein Recht darauf habe. Denn ich bin in Deutschland geboren und habe vier Jahre lang die Grundschule besucht. In der Türkei habe ich viele schwere Zeiten erlebt. Das will ich nicht mehr. Ich möchte ein neues Leben in Deutschland führen. Damals sagte man: „Wenn die Kinder 18 Jahre alt sind, können sie zurück nach Deutschland kommen.“ Und ich warte auf Deutschland. Weil ich nichts anderes machen kann, habe ich in diesem Brief geschrieben, was wir erlebt haben. Besonders hart traf es meinen älteren Bruder. Er ist körperbehindert, trotzdem schaffte er den Schulabschluss. Auch er konnte kein Türkisch. Er hat den Abschluss mit der Note 2,5 gemacht. Damit kann er aber nicht studieren, ohne Studiengeld zu zahlen, und das haben meine Eltern nicht. So sitzt er zu Hause und fällt von einer Depression in die andere, denn Arbeit bekommt er keine. Nur der Hilfe unserer Unterstützer in Gerlfangen ist es zu verdanken, dass wir überhaupt in einer Schule hier unterkamen. Die Gerlfanger waren hier und haben die Lehrer unserer türkischen Schule zu einem Deutschlandbesuch eingeladen. Daraufhin kümmerten sich der Schulleiter und einige Lehrer um uns. Ich bete zu Gott, dass ihr was für mich machen könnt, damit ich noch mal deutsche Luft atmen kann. Viele Grüße von Mazlum an alle! Dezember 2011